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PalÀozÀn/EozÀn-Temperaturmaximum
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Das PalĂ€ozĂ€n/EozĂ€n-Temperaturmaximum (PETM) vor etwa 55,8 Millionen Jahren war eine nach geologischen MaßstĂ€ben sehr kurze, aber extreme ErwĂ€rmungsphase, deren Dauer je nach wissenschaftlicher Analyse auf 170.000 bis 200.000 Jahre veranschlagt wird. Der damalige globale Temperaturanstieg erfolgte auf der Basis eines bereits vorhandenen Warmklimas und war mit einem stark erhöhten Eintrag von Treibhausgasen in die ErdatmosphĂ€re und Weltmeere verbunden. WĂ€hrend des PETM stieg die globale Temperatur innerhalb von wahrscheinlich 4.000 Jahren um durchschnittlich 6 °C (nach anderen Studien kurzzeitig um bis zu 8 °C) von etwa 18 °C im spĂ€ten PalĂ€ozĂ€n auf mindestens 24 °C am Beginn des EozĂ€ns, wobei eine neuere Analyse erheblich höhere Werte veranschlagte.cite-ref-10-5194-cp-16-1953-2020-1-0[1]

Die WĂ€rmeanomalie an der PalĂ€ozĂ€n-EozĂ€n-Grenze war mit einem ausgeprĂ€gten Konzentrationsabfall des stabilen Kohlenstoffisotops 13C verknĂŒpft. Dies deutet darauf hin, dass sich am Beginn des PETM eine große Menge an 13C-abgereichertem Kohlenstoff in Atmo- und HydrosphĂ€re verteilte. Inzwischen liefern verschiedene Sedimentproben und Isotopenuntersuchungen aussagekrĂ€ftige Erkenntnisse ĂŒber die verĂ€nderten Umweltbedingungen sowohl in tropischen als auch in den höheren Breiten der nördlichen und sĂŒdlichen HemisphĂ€re. Auf diese Weise konnte zum Beispiel durch das VerhĂ€ltnis der Kohlenstoff-Isotope 13C und 12C ein deutlicher VegetationsrĂŒckgang in Verbindung mit ausgeprĂ€gten DĂŒrreperioden wĂ€hrend der WĂ€rmeanomalie nachgewiesen werden.

In den Geowissenschaften und besonders in der PalÀoklimatologie wird das PETM hÀufig unter dem Aspekt analysiert, welche Auswirkungen ein massiver, auf wenige Jahrtausende beschrÀnkter Kohlenstoffeintrag in das Klimasystem hat. Dabei werden oft Vergleiche zu den gegenwÀrtigen anthropogenen Kohlenstoffdioxid-Emissionen und dem Anstieg ihrer Konzentration in der ErdatmosphÀre (siehe: Kohlenstoffdioxid in der ErdatmosphÀre) gezogen.

Contents

‱ Literatur
‱ Weblinks

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Dauer der ErwÀrmungsphase

Über den benötigten Zeitraum vom Beginn der ErwĂ€rmung bis hin zur Erreichung des Temperaturmaximums gibt es in der Wissenschaft eine Reihe unterschiedlicher und zum Teil widersprĂŒchlicher Angaben. WĂ€hrend bis vor kurzem eine „Anlaufzeit“ von rund 18.000 Jahren als realistischer Wert angesehen wurde, beruft sich eine im Jahr 2013 erschienene Publikation auf eine Sedimentfolge im Marlboro-Ton des Salisbury Embayments, die nach Isotopenmessungen eine Freisetzung von 3.000 Gigatonnen Kohlenstoff in nur 13 Jahren nahelegt.cite-ref-2[2] Diese These fand in der wissenschaftlichen Literatur jedoch kaum UnterstĂŒtzung und fĂŒhrte zu mehreren kritischen Stellungnahmen.cite-ref-peter-stassen-3-0[3] Die Autoren einer im MĂ€rz 2016 erschienenen Studie veranschlagten die Dauer der ErwĂ€rmungsphase aufgrund eines Abgleichs zwischen der Kohlenstoff-Signatur ÎŽ13C und der Sauerstoff-Signatur ÎŽ18O auf annĂ€hernd 4.000 Jahre.cite-ref-10-1038-ngeo2681-4-0[4] Demnach verlief der jĂ€hrliche Kohlenstoffeintrag in einer GrĂ¶ĂŸenordnung von 0,6 bis 1,1 Gigatonnen parallel zur damit gekoppelten ErwĂ€rmung. Da das thermisch relativ trĂ€ge Klimasystem einschließlich der Ozeane ohne signifikante Verzögerung auf den Anstieg der atmosphĂ€rischen Treibhausgas-Konzentration reagierte, wird eine innerhalb weniger Jahre stattgefundene Kohlenstoff-Injektion ausgeschlossen.

Neuere Untersuchungen scheinen die Annahme zu belegen, dass sich wĂ€hrend eines globalen Warmklimas auch die KlimasensitivitĂ€t entsprechend erhöht. FĂŒr das PETM wird unter Einbeziehung aller kurz- und langfristig wirksamen RĂŒckkopplungsfaktoren eine KlimasensitivitĂ€t im Bereich von 3,7 bis 6,5 °C postuliert.cite-ref-gary-shaffer-5-0[5]

Nach dem Abflauen des PETM und einer lĂ€ngeren „Erholzeit“ (englisch Recovery phase) kam es 2 Millionen Jahre spĂ€ter mit dem Eocene Thermal Maximum 2 (ETM-2, 53,6 mya) zu einer weiteren starken KlimaerwĂ€rmung mit einer Dauer von ebenfalls maximal 200.000 Jahren.cite-ref-10-1038-ngeo66-6-0[6] Dieser schlossen sich im Zeitraum vor 53,3 bis 52,8 Millionen Jahren drei kĂŒrzere und schwĂ€cher ausgeprĂ€gte WĂ€rmeanomalien an.

Klimatische und biologische Folgen des PETM

Verschiedene Untersuchungen belegen, dass die Ozeane wĂ€hrend des PETM erhebliche WĂ€rmemengen speicherten. FĂŒr subpolare GewĂ€sser (westliche sibirische See) wurden 27 °C ermittelt,cite-ref-frieling-7-0[7] und Sedimentbohrkerne aus der KĂŒstenregion vor Tansania belegen Temperaturen bis maximal 40 °C.cite-ref-aze-8-0[8] Dies bewirkte in Verbindung mit einem erheblichen Input von Kohlenstoffdioxid eine Versauerung der Meere bis in tiefere Schichten und die Entstehung anoxischer Milieus.cite-ref-donald-e-penman-9-0[9] Insgesamt kam es in den Meeren im Verlauf des PETM zu einer Entwicklung, die zumindest im Ansatz starke Ähnlichkeit mit einem Ozeanischen anoxischen Ereignis aufwies. BegĂŒnstigt wurde dieser Prozess durch eine deutliche AbschwĂ€chung beziehungsweise Verlagerung der Tiefenwasserströmungen sowie durch die erhöhte Einschwemmung festlĂ€ndischer Verwitterungsprodukte in die Ozeane aufgrund rasch verlaufender ErosionsvorgĂ€nge.cite-ref-d-e-penman-10-0[10] DarĂŒber hinaus stieg im Verlauf des Temperaturmaximums der Meeresspiegel aufgrund der thermischen Expansion (WĂ€rmeausdehnung) des Ozeanwassers um 3 bis 5 Meter.cite-ref-10-5194-cp-10-1421-2014-11-0[11] Eisschilde, die hĂ€tten abschmelzen können, gab es nicht.

Auch wenn der klimatische Ausnahmezustand des PETM nach erdgeschichtlichem Maßstab nur von kurzer Dauer war, beeinflusste er nachhaltig die BiodiversitĂ€t und PalĂ€oökologie des gesamten Planeten. Die Ausdehnung der tropischen Klimazone bis in höhere Breiten fĂŒhrte zu weitrĂ€umigen Migrationsbewegungen von Flora und Fauna.cite-ref-10-1146-annurev-earth-040610-133431-12-0[12] Obwohl bei steigenden Temperaturen der Wasserdampfgehalt der Luft und damit die Niederschlagsneigung zunehmen, herrschte wĂ€hrend des PETM in vielen Gebieten offenbar ein arides Klima, verbunden mit einer Abnahme der Pflanzenvielfalt einschließlich der Ausbildung von Trockenstress-Symptomen. Es wird angenommen, dass polarnahe Regionen eine erhöhte NiederschlagsintensitĂ€t verzeichneten,cite-ref-10-1130-g30218-1-13-0[13] im Gegensatz dazu traten DĂŒrreperioden vor allem in den Subtropen auf.cite-ref-10-1016-j-palaeo-2012-12-008-14-0[14]

Schnelle morphologische VerĂ€nderungen und evolutionĂ€re Anpassungen geschahen nicht nur in terrestrischen Habitaten, sondern vielfach auch im Ozean. Hier kam es zu einem Massensterben der benthischen Foraminiferen mit einem Artenschwund zwischen 30 und 50 Prozent, mit hoher Wahrscheinlichkeit bedingt durch die ErwĂ€rmung der tieferen ozeanischen Schichten um etwa 4 bis 5 °C und einem damit verbundenen Sauerstoff-Defizit. An der Destabilisierung der marinen Biotope hatte darĂŒber hinaus die Versauerung des Meerwassers mit einer relativ starken Abnahme des pH-Werts entscheidenden Anteil. Davon in Mitleidenschaft gezogen, jedoch nur partiell vom Aussterben bedroht waren in der Tiefsee angesiedelte Organismen (Seeigel, Muscheln, Schnecken) sowie nahezu alle Planktongruppen.

Der meridionale Temperaturgradient (das TemperaturgefĂ€lle vom Äquator zu den Polargebieten) war zur Zeit des PETM erheblich flacher als im ĂŒbrigen KĂ€nozoikum. Dies gilt auch fĂŒr die oberflĂ€chennahen Regionen der Ozeane. Die Temperaturdifferenz der Meere zwischen Ă€quatorialen und polaren Bereichen betrug ĂŒber große Teile des PalĂ€ozĂ€ns 17 °C (gegenwĂ€rtig: 22 °C) und verringerte sich wĂ€hrend des PETM auf 6 °C.cite-ref-16[15.1] Dadurch herrschte in den Polargebieten ein warm-gemĂ€ĂŸigtes Klima.

Auf die rasch zunehmende ErwĂ€rmung reagierten einige Familien und Gattungen der SĂ€ugetiere mit einer deutlichen Tendenz zur KleinwĂŒchsigkeit (englisch Dwarfing). Dies betraf sowohl rĂ€uberische Lebensformen wie die ausgestorbenen Creodonta und Oxyaenidaecite-ref-stephen-g-b-chester-17-0[16] als auch die frĂŒhen Vertreter der Pferdeverwandten.cite-ref-ross-secord-18-0[17] DarĂŒber hinaus konnte anhand von Ichnofossilien nachgewiesen werden, dass sich kleinere Lebensformen (zum Beispiel Insekten oder WĂŒrmer der Klasse Clitellata) ebenfalls den verĂ€nderten Umweltbedingungen anpassten und bis zu 46 Prozent ihrer ursprĂŒnglichen GrĂ¶ĂŸe einbĂŒĂŸten.cite-ref-10-1073-pnas-0909674106-19-0[18] Als GrĂŒnde fĂŒr die Reduzierung der Körpermaße gelten die mit dem extremen Warmklima einhergehenden DĂŒrreperioden und der dadurch bedingte Mangel an ausreichender Nahrung mit entsprechender RĂŒckwirkung auf Pflanzenfresser und indirekt auf Carnivoren. ZusĂ€tzlich begĂŒnstigten der unmittelbare Einfluss des tropischen Klimas sowie stark schwankende Niederschlagsraten laut mehreren Studien phĂ€notypische Reaktionen beziehungsweise mikroevolutionĂ€re VerĂ€nderungen im Hinblick auf das GrĂ¶ĂŸenwachstum.cite-ref-10-1126-sciadv-1601430-20-0[19]

Eine Tendenz zur „Verzwergung“ erfasste auch viele marine Arten, darunter die Ostrakoden (Muschelkrebse). Speziell diese Entwicklung resultierte sehr wahrscheinlich aus der ErwĂ€rmung und Versauerung der Tiefseeregionen und einer damit verknĂŒpften Störung der Remineralisierungsprozesse von organischem Kohlenstoff.cite-ref-tatsuhiko-yamaguchi-21-0[20] Vergleichbare, aber etwas weniger ausgeprĂ€gte biologische Entwicklungen wurden fĂŒr die Dauer des nachfolgenden Eocene Thermal Maximum 2 ebenfalls festgestellt.

Mögliche Ursachen und damit verbundene Mechanismen

| ❼ | System | Serie | Stufe | ≈ Alter ( mya ) |
|---|---|---|---|---|
| ❼ | spĂ€ter | spĂ€ter | spĂ€ter | jĂŒnger |
| ❼ | P a l Ă€ o g e n | OligozĂ€n | Chattium | 23,03 ⬍ 28,1 |
| ❼ | P a l Ă€ o g e n | OligozĂ€n | Rupelium | 28,1 ⬍ 33,9 |
| ❼ | P a l Ă€ o g e n | EozĂ€n | Priabonium | 33,9 ⬍ 38 |
| ❼ | P a l Ă€ o g e n | EozĂ€n | Bartonium | 38 ⬍ 41,3 |
| ❼ | P a l Ă€ o g e n | EozĂ€n | Lutetium | 41,3 ⬍ 47,8 |
| ❼ | P a l Ă€ o g e n | EozĂ€n | Ypresium | 47,8 ⬍ 56 |
| ❼ | P a l Ă€ o g e n | PalĂ€ozĂ€n | Thanetium | 56 ⬍ 59,2 |
| ❼ | P a l Ă€ o g e n | PalĂ€ozĂ€n | Seelandium | 59,2 ⬍ 61,6 |
| ❼ | P a l Ă€ o g e n | PalĂ€ozĂ€n | Danium | 61,6 ⬍ 66 |
| ❼ | frĂŒher | frĂŒher | frĂŒher | Ă€lter |

Die Entdeckung der WĂ€rmeanomalie des PETM ist relativ jungen Datums und geschah eher zufĂ€llig gegen Ende der 1980er-Jahre. Die ursprĂŒngliche Zielsetzung der daran beteiligten Forscher lautete, im Rahmen des Ocean Drilling Program anhand von Sedimentproben genauere Daten ĂŒber das Massenaussterben an der Kreide-PalĂ€ogen-Grenze zu sammeln.cite-ref-22[15.2] Bei der Analyse der Bohrkerne, die auch die Zeit des PalĂ€ozĂ€n-EozĂ€n-Übergangs einschloss, wurden Hinweise auf eine abrupte ErwĂ€rmung der damaligen Tiefsee vor rund 56 Millionen Jahren gefunden. In wissenschaftlicher Form publiziert wurden die neuen Erkenntnisse erstmals 1991 in der Fachzeitschrift Nature.cite-ref-j-p-kenneth-23-0[21]

In den Jahrzehnten danach entwickelte sich das PalĂ€ozĂ€n/EozĂ€n-Temperaturmaximum zu einem der Schwerpunkte palĂ€oklimatologischer Forschung, zumeist auf interdisziplinĂ€rer Basis und dokumentiert in mehreren tausend Studien. Viele Details zum Fragenkomplex des PETM konnten inzwischen relativ umfassend mithilfe von Isotopenanalysen und der Auswertung eines breiten Spektrums an Proxydaten geklĂ€rt werden. FĂŒr die Kernfrage nach der genauen Ursache des PETM steht die Antwort indes noch aus. Die folgenden Abschnitte beschreiben jene Hypothesen, die aktuell im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Diskussion stehen.

Plattentektonik und Vulkanismus

Als primĂ€re Ursache fĂŒr die abrupte ErwĂ€rmung am Beginn des PETM favorisieren mehrere Studien die Nordatlantische Magmatische Großprovinz (englisch North Atlantic Igneous Province, auch Thulean Plateau), die wĂ€hrend der Bildung und Ausdehnung des Nordatlantiks entstand. Die magmatischen beziehungsweise vulkanischen Prozesse setzten bereits im unteren PalĂ€ozĂ€n ein (etwa 64 bis 63 mya), reichten in stark abgeschwĂ€chter Form bis in das frĂŒhe MiozĂ€n und verzeichneten mehrere erhöhte AktivitĂ€tszyklen, unter anderem vor 57 bis 53 Millionen Jahren, wobei abwechselnd intrusive und effusive Phasen entlang der divergierenden PlattenrĂ€nder auftraten.cite-ref-10-1144-sp447-10-24-0[22] Die dabei aus dem Erdmantel aufsteigenden Flutbasalte besaßen eine Ausdehnung von ungefĂ€hr 1,3 bis 1,5 Millionen kmÂČ und bedeckten Teile von Grönland, Island, Norwegen, Irland und Schottland.cite-ref-10-1126-science-1135274-25-0[23] Allerdings sind der Umfang sowie die genaue zeitliche Einordnung der vulkanischen Emissionen und ihre Auswirkungen auf das damalige Erdklimasystem immer noch umstritten und Gegenstand einer wissenschaftlichen Kontroverse. WĂ€hrend einige Arbeiten eine CO2-Freisetzung von mehreren tausend Gigatonnen aus vulkanischen Quellen innerhalb eines schmalen Zeitfensters postulieren,cite-ref-10-1038-nature23646-26-0[24] widersprechen andere Studien dieser Auffassung, indem sie betonen, dass das PETM hauptsĂ€chlich mit der Freisetzung von Methan in Verbindung steht.cite-ref-10-1073-pnas-1518116113-27-0[25]

Nach dieser Hypothese wurden durch die Ausdehnung des Nordatlantiks, eventuell in Verbindung mit Erdbeben und unterseeischen Hangrutschen, umfangreiche Methanhydrat-Vorkommen destabilisiert, worauf sich große Mengen des freigesetzten Gases in der AtmosphĂ€re verteilten.cite-ref-10-1016-j-epsl-2006-01-069-28-0[26]

Methan-Hypothese

In der Fachliteratur der letzten Jahrzehnte zirkulieren stark differierende Angaben von 300 bis weit ĂŒber 2.000 ppm fĂŒr die atmosphĂ€rische CO2-Konzentration unmittelbar vor Beginn des PETM.cite-ref-10-1016-j-epsl-2006-03-009-29-0[27] Neuere Studien berechneten einen Korridor zwischen 840 und maximal 1.680 ppm als wahrscheinlichste GrĂ¶ĂŸe, wobei fĂŒr die Zeit des Temperaturmaximums eine CO2-Zunahme von nur wenigen hundert ppm postuliert wurde.cite-ref-10-1002-2014pa002650-30-0[28] Dem gegenĂŒber wird auch die Auffassung eines Kohlenstoffdioxid-Anstiegs um etwa 70 Prozent im Vergleich zur PrĂ€-PETM-Zeit vertreten.cite-ref-10-1073-pnas-1518116113-27-1[25] Doch selbst diese signifikante Steigerung kann den globalen Temperaturanstieg von 6 bis 8 °C nur zum Teil erklĂ€ren. Allgemein wird in der Wissenschaft deshalb ein zusĂ€tzlicher Klimafaktor in Form einer Methan-Freisetzung aus unterseeischen Methanhydrat-LagerstĂ€tten angenommen.cite-ref-10-1038-ngeo578-31-0[29]

Im Ozean entsteht Methan durch den biochemischen Prozess der Methanogenese. Bei ÜbersĂ€ttigung des Wassers mit Methan sowie unter hohem Druck und bei niedrigen Temperaturen kann das Gas zu metastabilem Methanhydrat kristallisieren, hauptsĂ€chlich an den Kontinentalsockeln ab einer Mindesttiefe von etwa 300 Metern. Die spezifischen Eigenschaften und die umfangreichen LagerstĂ€tten von Methanhydrat fĂŒhrten in der Wissenschaft zu der weit verbreiteten Annahme, dass wĂ€hrend des PETM instabil gewordene Methanhydrat-Reservoire große Mengen an Treibhausgas an die AtmosphĂ€re abgaben und damit wesentlich zum ErwĂ€rmungseffekt beitrugen (wobei Methan in der AtmosphĂ€re nur eine kurze Verweildauer beziehungsweise Halbwertszeit von 12 Jahren aufweist und durch den Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid und Wasser oxidiert wird). Diese relativ simple These hielt jedoch einer kritischen ÜberprĂŒfung nicht in allen Punkten stand und wurde zu einem Gedankenmodell unter Einbeziehung alternativer kohlenstoffhaltiger LagerstĂ€tten und Sedimentschichten erweitert („Seafloor-Hypothese“). Dabei musste berĂŒcksichtigt werden, dass der Kohlenstoff-Eintrag weniger in kurzzeitigen SchĂŒben, sondern offenbar relativ kontinuierlich ĂŒber Jahrtausende erfolgte.cite-ref-10-1016-j-epsl-2006-03-009-29-1[27]cite-ref-10-1038-ngeo2681-4-1[4]

Neue UnterstĂŒtzung erhielt die Hypothese durch eine 2023 publizierte Studie, nach der vieles darauf hindeutet, dass das freigesetzte Methan aus hydrothermalen Quellen stammt. Da sich diese Quellen in seichten GewĂ€ssern befanden, konnte das Methan in die AtmosphĂ€re gelangen und konnte nicht im Meerwasser gelöst werden.cite-ref-32[30]

Impakt-Hypothese

WĂ€hrend der 22 Millionen Jahre des EozĂ€ns ereignete sich eine ĂŒberdurchschnittlich hohe Anzahl an Asteroiden- oder KometeneinschlĂ€gen auf der Erde, wie zum Beispiel der Montagnais- oder der Chesapeake-Bay-Impakt.cite-ref-10-1126-science-aaf5466-33-0[31] Diese HĂ€ufung war jedoch kein periodisches Ereignis im Sinne der Nemesis-Hypothese, sondern geschah laut einer 2017 veröffentlichten statistischen Analyse rein zufĂ€llig.cite-ref-10-1093-mnras-stx21-34-0[32] Die Möglichkeit, dass Impakt-Ereignisse grĂ¶ĂŸeren Ausmaßes einen wesentlichen Einfluss auf das PETM und die folgenden WĂ€rmeanomalien ausgeĂŒbt haben könnten, ist jedoch weitgehend inkonsistent mit dem vorliegenden Datenmaterial und gilt in der Wissenschaft als Außenseiter-These.cite-ref-10-1073-pnas-1321177111-35-0[33]

Möglicher Einfluss der Milanković-Zyklen

Eine im Jahr 2012 veröffentlichte Studie hat die zyklischen VerĂ€nderungen der Erdbahnparameter als Ursache der eozĂ€nen Temperaturmaxima zur Grundlage.cite-ref-10-1038-nature10929-36-0[34] Die Hypothese beruht auf der Voraussetzung, dass bei ausgeprĂ€gter ExzentrizitĂ€t der Erdbahn und einer gleichzeitigen Maximalneigung der Erdachse der damit gekoppelte ErwĂ€rmungstrend dazu fĂŒhrte, dass vor allem in der Antarktis binnen kurzer Zeit enorme Mengen an Treibhausgasen aus tauenden Permafrostböden in die AtmosphĂ€re gelangten. Nach einer intensiven Warmklima-Phase, in der durch beschleunigte Verwitterungsprozesse ein Großteil des emittierten Kohlenstoffdioxids wieder gebunden wurde, kĂŒhlte die Erde langsam ab, ehe der von den Orbitalparametern gesteuerte Kreislauf erneut einsetzte.

Ob unter den klimatischen Bedingungen nahe der PalĂ€ozĂ€n-EozĂ€n-Grenze (Ausdehnung subtropischer Klimazonen bis in höhere Breiten, flacher Temperaturgradient und Polare VerstĂ€rkung) antarktische Permafrostböden in nennenswertem Umfang existierten, erscheint nach derzeitigem Kenntnisstand fraglich. Ähnliches gilt fĂŒr das polarnahe Festland im Norden.cite-ref-10-1130-g30218-1-13-1[13] Belegte AbkĂŒhlungen der SĂŒdpolregion erfolgten erst im Zeitraum nach den WĂ€rmeanomalien (52 mya) sowie verstĂ€rkt mit saisonalem Schneefall im Mittleren EozĂ€n (41 mya).cite-ref-10-1130-b26269-1-37-0[35] Dessen ungeachtet rĂŒckt eine möglicherweise zentrale Rolle der Milanković-Zyklen bei Klimawandelereignissen und speziell auf den Ablauf des Kohlenstoffzyklus zunehmend in den Fokus der Forschung.cite-ref-10-1002-2016pa003054-38-0[36]

Sonderstellung des PETM

Auf der Suche nach einem widerspruchsfreien Modell des PalĂ€ozĂ€n/EozĂ€n-Temperaturmaximums liegt ein Forschungsansatz eventuell darin, dass sich dem PETM und dem Eocene Thermal Maximum 2 in kurzem zeitlichem Abstand drei kĂŒrzere und weniger prĂ€gnante WĂ€rmeanomalien anschlossen.cite-ref-10-1016-j-epsl-2006-03-009-29-2[27] Dies könnte ein Indiz fĂŒr eine geophysikalische Konstellation sein, die sich in schwĂ€cher werdender AusprĂ€gung innerhalb von knapp 3 Millionen Jahren mehrmals wiederholte. In den folgenden Serien des KĂ€nozoikums bis hin zur geologischen Gegenwart traten vergleichbare Ereignisse nicht mehr auf. Somit kommt dem frĂŒhen EozĂ€n unter palĂ€oklimatologischen Aspekten eine besondere Bedeutung zu.

Das Ypresium, die unterste chronostratigraphische Stufe des EozĂ€ns, verlĂ€uft zeitlich fast parallel zu dem sogenannten EozĂ€nen Klimaoptimum, eine von subtropischen bis tropischen Bedingungen geprĂ€gte Epoche, die vor ungefĂ€hr 49 bis 48 Millionen Jahren endete, ohne dass das Extremklima der darin eingebetteten WĂ€rmeanomalien nochmals erreicht wurde.cite-ref-10-1130-g32054-1-39-0[37] Danach begann ein langsamer und anfangs fast schleichender AbkĂŒhlungstrend (unter anderem bedingt durch das Azolla-Ereignis),cite-ref-10-1130-g30218-1-13-2[13] der sich am EozĂ€n-OligozĂ€n-Übergang (33,9 bis 33,7 mya) erheblich beschleunigte, neben einem großen Artensterben den rapiden Abfall der atmosphĂ€rischen CO2-Konzentration verzeichnete und gleichzeitig mit der Entstehung des Antarktischen Eisschilds den Beginn des KĂ€nozoischen Eiszeitalters markierte.cite-ref-mark-pagani-40-0[38]

Vergleich mit der Gegenwart

Nach ĂŒbereinstimmendem wissenschaftlichem Urteil war das PalĂ€ozĂ€n/EozĂ€n-Temperaturmaximum die prĂ€gnanteste und am schnellsten auftretende natĂŒrliche ErwĂ€rmungsphase des gesamten KĂ€nozoikums, also der letzten 66 Millionen Jahre. Im Unterschied zu vergleichbaren erdgeschichtlichen Temperaturanomalien, wie jener an der Perm-Trias-Grenze, stieg wĂ€hrend des PETM die Treibhausgas-Konzentration massiv an, ohne dass eine adĂ€quate Freisetzung von Stickoxiden, Schwefeldioxid und Schwefelwasserstoff erfolgt wĂ€re. Demzufolge werden in der Fachliteratur zunehmend Parallelen zur aktuellen Globalen ErwĂ€rmung gezogen, verbunden mit der Fragestellung, ob das PETM eine „Blaupause“ fĂŒr die kĂŒnftige Klimaentwicklung darstellt.cite-ref-diffenbaugh-41-0[39] In dem Zusammenhang Ă€ußern jedoch einige Autoren die Vermutung, dass die gegenwĂ€rtigen, sehr rasch erfolgenden UmweltverĂ€nderungen einschließlich einer möglichen Destabilisierung der BiosphĂ€re zu einem spezifischen Klimazustand fĂŒhren könnten, fĂŒr den in der bekannten Erdgeschichte keine Entsprechung existiert.cite-ref-10-1016-j-gr-2017-12-002-42-0[40]

Die an der PalĂ€ozĂ€n-EozĂ€n-Grenze freigesetzte Kohlenstoffmenge wurde 2008 in der Fachliteratur auf 3.000 bis annĂ€hernd 7.000 Gigatonnen geschĂ€tzt,cite-ref-k-panchuk-43-0[41] wobei einzelne Studien sogar ein Volumen im Bereich von 10.000 Gigatonnen veranschlagen. Dem gegenĂŒber belaufen sich die bisherigen anthropogenen Kohlenstoff-Emissionen auf rund 645 Gigatonnen (das entspricht ĂŒber 2.300 Gigatonnen CO2). In der Forschung herrscht weitgehend Einigkeit darĂŒber, dass der Klimagasausstoß bisher im 21. Jahrhundert im Jahresdurchschnitt jenen des PETM um etwa das Zehnfache ĂŒbertrifft.cite-ref-10-1038-ngeo2681-4-2[4] Entsprechend rasch wird sich auch der damit gekoppelte Klimawandel verstĂ€rken, falls die Freisetzung von Kohlenstoffdioxid beziehungsweise Methan in den nĂ€chsten Jahrzehnten nicht drastisch verringert wird. Sollte dies nicht gelingen, wird die Entwicklung mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Ă€hnlichen Verlauf wie vor 55,8 Millionen Jahren nehmen. Es gibt Hinweise, dass zur damaligen Zeit die meisten Treibhausgase in einem relativ frĂŒhen Stadium des PalĂ€ozĂ€n/EozĂ€n-Temperaturmaximums freigesetzt wurden, ĂŒber Jahrtausende ohne signifikanten Konzentrationsabfall in der AtmosphĂ€re verharrten und anschließend nur sehr langsam abgebaut wurden.cite-ref-gabriel-j-bowen-44-0[42] Diese Beobachtung korrespondiert weitgehend mit den Erkenntnissen ĂŒber die aktuelle Klimaentwicklung. Bei dieser wird ab einer CO2-Konzentration von 500 ppm und darĂŒber ein SelbstverstĂ€rkungseffekt der Temperaturzunahme im Rahmen einer lĂ€ngeren Warmzeit erwartet,cite-ref-10-1073-pnas-0812721106-45-0[43]cite-ref-david-archer-46-0[44] was unter anderem zum Ausfall eines kompletten Eiszeitzyklus in rund 30.000 bis 50.000 Jahren fĂŒhren wĂŒrde.cite-ref-10-1038-nature16494-47-0[45]cite-ref-zeebe-48-0[46]

Abgesehen von den kaum vergleichbaren Ökosystemen der beiden Epochen besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Beginn des PETM und der Gegenwart darin, dass die Basistemperaturen, auf denen die nachfolgende ErwĂ€rmung beruhte, relativ stark differieren. Die Durchschnittstemperatur fĂŒr die eisfreie Welt des spĂ€ten PalĂ€ozĂ€ns lag bei 18 °C, wĂ€hrend der globale Wert fĂŒr das 20. Jahrhundert 14 bis 15 °C betrug. Das lĂ€sst den Schluss zu, dass der anthropogen bedingte Klimawandel in absehbarer Zeit bzw. bei moderater Ressourcennutzung nicht das Extremklima des PETM erreichen wird. Allerdings dĂŒrfte das Eintreten eines möglichen „Worst-Case-Szenarios“ dennoch gravierend sein, vor allem durch den teilweise unkalkulierbaren Einfluss der Kippelemente im Erdsystem in Zusammenhang mit der Verschiebung der Klima- und Vegetationszonen sowie dem weitgehenden Abschmelzen des westantarktischen und grönlĂ€ndischen Eisschilds und entsprechendem Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Dutzend Meter.cite-ref-peter-u-clark-49-0[47]cite-ref-doi10-1073-pnas-0705414105-50-0[48] Ein weiteres GefĂ€hrdungspotenzial bilden die am Meeresgrund lagernden „VorrĂ€te“ von Methanhydrat im Umfang von ĂŒber 10 Billionen Tonnen (10.000 Gigatonnen), die bei Beibehaltung des gegenwĂ€rtigen ErwĂ€rmungstrends zunehmend destabilisiert werden könnten.cite-ref-10-1002-2014gl061606-51-0[49]

Literatur

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Weblinks

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‱ Lars Fischer: Methan löste einst globalen Hitzeschock aus in Spektrum.de vom 19. Oktober 2023

Einzelnachweise

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